Lachsfieber

Mit dem ersten Juni geht an den meisten norwegischen Flüssen die Lachssaison auf.

Wie immer werden zu Hause die Gerätschaften überprüft; neue Schnüre aufgezogen; Backing- und Vorfachknoten erneuert, Vorfachmaterial ergänzt ( ich machte das aus Sicherheitsgründen jedes Jahr) und Erinnerungen gepflegt. An träumt von vergangenen Jahren, dem ein oder anderen Lachserlebnis und macht sich Gedanken über das was kommen wird.
Ernst und Birger sind auf der Kola Halbinsel in Rußland und eröffnen dort am Kola River die Saison; ich bin gespannt was sie am Ende ihrer Woche zu erzählen haben. Im Winter habe ich neue Fliegen gebunden, habe alte Lachsfliegen mit Gummibeinen versehen, neue kreiert, das Spiel der Fliegen im Wasserbecken beobachtet und darüber nachgedacht wo ich sie fischen werde. Meine Gedanken kreisen um einen bestimmten Pool am Lakselv, wo ein vorsichtig geschätzter 20 kg Lachs frisch aus dem Meer aufgestiegen meine Fliege verfehlte, dabei sich in voller Pracht an der Oberfläche zeigte ( er sprang heraus) und verschwand. Ich war sprachlos und nervös. Der anschließende Fliegenwechsel brachte ihn noch einmal nach oben und dann war es vorbei. Vielleicht hätte ich ihn noch einmal mit einer schweren, tiefen Schnur anfischen sollen, aber meine zweite Rolle lag in meinem Koffer; ich hatte sie nicht in meinen Tagesrucksack umgepackt.

 

Neulich rief Dieter an, der sich wie immer sehr viele Gedanken macht über Schmelzwassermenge, evtl. Niederschläge, heiße Tage und all das wenn und aber was die Beißlaune der silbernen Schönheiten beeinflusst. Er fischt gut und konzentriert, ist fleißig und kennt den Fluss, wichtige Voraussetzungen für einen guten Lachsfischer.

 

Wir reden viel am Telefon, machen Pläne und malen uns aus wie es ein könnte. Jahr für Jahr trifft man die gleichen Leute am Wasser; Lars Helge und Dittrich, Udo, Dieter, Birger und Ernst; alle sind dem Lachs verfallen und mir geht es genau so. Nur dieses Jahr beginnt die Saison für mich erst am 24. Juni. Bis dahin kann ich noch ein paar Fliegen binden und über das nachdenken was sein könnte.

Wie heißt es doch so schön „ Vorfreude ist die schönste Freude“.